Medikamente

… mehr zu den Ausnahmeregelungen zur

Verordnungsfähigkeit rezeptfreier Arzneimittel

Am 16.März 2004 hat der Gemeinsame Bundesausschluss von Krankenkassen und Ärzten eine Liste derjenigen rezeptfrei zu erhaltenden Medikamente erstellt, die auch weiterhin zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden dürfen. Die Regelung hat Bestand, auch wenn die Bestimmungen über 5 Jahre alt sind.  Ein Auszug über die wichtigsten hiervon betroffenen Medikamente gibt die folgende Liste.

Rezeptfreie Arzneimittel, die auch nach dem 1. April 2004 zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden dürfen:

Abführmittel

Verordnung darf nur bei speziellen Darmleiden, wie Krebs, Divertikulose, speziellen Nervenlähmungen, Nierenschwäche und Therapie mit Morphium oder dessen Abkömmlingen erfolgen.

ASS

Verordnung nur nach Herzinfarkt und Schlaganfall und operativen Eingriffen an den Gefäßen. Verordnung von ASS und Paracetamol auch im Rahmen der Schmerztherapie mit Morphium und dessen Abkömmlingen.

Mittel gegen Übersäuerung und Phospatbinder

Verordnung nur bei Dialyse-Patienten und chronischer Nierenschwäche.

Antiallergika

Verordnung nur im Rahmen von Notfallsets bei schwersten Allergien gegen Hymenopteren (Bienen, Wespen, Hornissen) sowie bei schwerer Nesselsucht und schwerem anhaltenden Juckreiz

Pilzmittel

Verordnung nur bei Pilzinfektionen des Mund- und Rachenraumes

Desinfektions- und Gleitmittel

Verordnung nur für Patienten, die eine Selbstkatheterisierung der Blase durchführen müssen.

Calcium und Vitamin D3

Verordnung frei oder in fixer Kombination nur bei Patienten mit manifester Osteoporose, sowie bei Patienten, die unter Knochenmetastasen leiden. Ausserdem bei Cortisondauertherapie und der Behandlung einer Unterfunktion der Nebenschilddrüsen.

Eisenverbindungen

Verordnung nur zur Behandlung einer gesicherten Blutarmut durch Eisenmangel

Flohsamenschalen

Verordnung nur bei M. Crohn, Kurzdarmsyndrom und AIDS-assozierter Durchfallerkrankungen

Folsäure

Verordnung nur bei Behandlung mit Folsäureantagonisten (z.B. Metothrexat bei Rheuma) und während der Chemotherapie von Darmkrebs

Gingko

Verordnung nur zur Behandlung der Demenz

Johanniskraut

Verordnung nur zur Behandlung mittelschwerer depressiver Episoden.

Jodid

Verordnung nur zur Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen

Jodhaltige Desinfektionsmittel

Verordnung nur in der Behandlung von Druckgeschwüren der Haut.

Lactulose

Verordnung nur zur Behandlung des Leberversagens, keine Verordnung zu Lasten der GKV als Abführmittel !

Magnesium

Verordnung nur bei angeborenen Magnesiumverlusterkrankungen und als Infusionstherapie zur Behandlung von Schwangerschaftskomplikationen. Keine Verordnung zu Lasten der GKV bei Wadenkrämpfen !

Mistel-Präparate

Verordnung nur als Injektionstherapie in der palliativen Behandlung von Krebs

Pancreasenzyme

Verordnung nur bei der Behandlung der chronischen Bauchspeicheldrüsenschwäche und der Mucoviszidose. Keine Verordnung zu Lasten der GKV als verdauungsfördernde Mittel ohne Nachweis einer Bauchspeicheldrüsenschwäche

Salicylsäurehaltige Salben

Verordnung nur bei der Behandlung der Schuppenflechte und bei Ekzemen mit überschießender Verhornung

Synthetischer Speichel und Tränenflüssigkeit

Verordnung nur bei speziellen rheumatischen Erkrankungen

Vitamine

Verordnung nur bei nachgewiesenem schwerwiegendem Vitaminmangel, der durch eine entsprechende Ernährung nicht behoben werden kann.

Ausnahmen

die Verordnung ansonsten nicht verordnungsfähiger Medikamente ist zulässig, wenn die Arzneimittel „bei der Behandlung schwerwiegender Erkrankungen als Therapiestandard gelten“ (z.B. Schleimlöser bei schweren Lungenentzündungen)

Arzneimittel der Homöopathie und Anthroposophie

Die Verordnung ist unter speziellen Bedingungen dann zulässig, wenn „die Anwendung dieser Arzneimittel für diese Indikationsgebiete nach dem Erkenntnisstand als Therapiestandard in der jeweiligen Therapierichtung angezeigt ist.“

Ansonsten gilt generell, dass apothekenpflichtige nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel von der Versorgung ausgeschlossen sind und von mir nicht zu Lasten der Gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden dürfen.

Generelle Ausnahmen gelten nur für Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr mit Entwicklungsstörungen. Da sich die Liste der verordnungsfähigen Medikamente anhand neuer Bestimmungen sehr häufig ändert, bitte ich im Zweifelsfall in der Praxis nachzufragen.

Nicht zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherungen zu verordnen sind insbesondere folgende verschreibungspflichtige Medikamente bzw. Medikamentengruppen:

Erkältungsmittel

Ausnahme: schwerwiegende Gesundheitsstörungen

Mund- und Rachentherapeutika

Ausnahme: Geschwüre und nach Operatione

Abführmittel

Ausnahmen siehe oben

Mittel gegen Reisekrankheit

Ausnahme bei Krebserkrankungen und speziellen HNO-Erkrankungen

Mittel zur Verbesserung der Lebensqualität und bei kosmetischen Störungen

Nicht verordnungsfähig sind insbesondere Mittel zur Steigerung der Potenz bzw. zur Behandlung der Impotenz, Abmagerungsmittel, Appetitzügler, Mittel zur Raucherentwöhnung, Mittel zur Regulierung des Körpergewichtes, Mittel zur Verbesserung des Haarwuchses.